• Geheimniss einer binationalen Beziehung

7 Geheimnisse einer binationalen Beziehung

Heutzutage ist es nicht mehr außergewöhnlich, wenn zwei Menschen aus zwei verschiedenen Ländern zusammen leben. Durch die erhöhte Mobilität der Völker und neue Möglichkeiten, die die EU ihren Mitbürgern anbietet, ist es sogar normal, eine binationale Partnerschaft zu führen. Wenn man z. B. die Paare zählen würde, dich sich dank des Erasmus- oder Leonardo da Vinci-Programms kennen lernten, würde man bestimmt auf sehr hohe Zahlen kommen!

Ich selbst lernte meinen Mann während meines Praktikums in der Schweiz kennen. Das Praktikum war ein Teil des Leonardo-Programms und nur dank diesem durfte ich damals, 2004 in der Schweiz arbeiten. Es war Liebe auf den ersten Blick und es war vom Anfang an ziemlich klar, dass wir eine Beziehung wagen wollten. Damals aber, frisch verliebt, dachte ich natürlich nicht an alle Konsequenzen, die diese Entscheidung für ein binationales Leben mit sich bringen würde.

Die Liebe ist vielleicht das universellste Gefühl auf der ganzen Erde, aber an bestimmte Punkte denkt man einfach nicht, wenn man eine neue Partnerschaft eingeht und aufbaut.

Hier kommen 7 Geheimnisse der binationalen Beziehung am Beispiel unserer deutsch-polnischen Ehe, die wir seit 10 Jahren in Deutschland führen.

1Kommunikation / Körpersprache

Manche Paare verstehen sich, ohne die Sprache des jeweiligen Partners zu kennen. Sie sprechen eine dritte Fremdsprache, oder kommunizieren hauptsächlich mit der Körpersprache. Egal aber, wie gut man die Sprache des Partners auch beherrschen mag, es kommt immer wieder zu Missverständnissen. Sie entstehen, wenn eine Person direkt aus der eigenen Sprache übersetzt oder die Betonung und die Aussage des benutzten Ausdrucks nicht wirklich versteht oder falsch anwendet. Oft benutzen die Ausländer falsche Schimpfworte in der Fremdsprache, weil sie ihre Bedeutsamkeit nicht einschätzen können.

Genauso wichtig, wie die nonverbale Kommunikation ist die Aussprache. Für viele Ausländer ist Deutsch wirklich schwierig und die Aussprache bereitet viele Probleme. Ein markantes Beispiel von mir: In Polen gibt es eine süße Spezialität, die übersetzt „Vogelmilch“ heißt. Das ist einfach eine Art Milchschaum umhüllt mit zarter Schokolade. Als ich am Anfang meiner Sprachkarriere den Namen aussprechen wollte, ist so was, wie „Vögel mich“ entstanden. Ihr könnt schon ahnen, wie lustig es sich für meinen Freund anhörte!!!

Was hilft dabei? Versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen und auf die Körpersprache des Partners zu achten. Aber Vorsicht: oft ist die Körpersprache auch kulturabhängig.

Geheimniss einer binationalen Beziehung de-pl

2Zeitmanagement / Pünktlichkeit

Ähnlich, wie mit der Sprache, soll man in den binationalen Beziehungen mit der Zeit umgehen, d. h. vorsichtig! Denn jedes Land hat ein eigenes Gefühl für Zeit und Pünktlichkeit wird unterschiedlich verstanden.  In Polen z. B. kann 16.00 Uhr auch 16.15 heißen, was auch als „studentische Viertelstunde“ bezeichnet wird. Das ist die Toleranzgrenze bei einem Termin. In Deutschland dagegen kommt man eher ein paar Minuten vor dem verabredeten Termin, um sicher zu sein, dass man nicht zu spät kommt. Also beim allerersten Date aufpassen!

3Bundesländer

Ich lernte in der Schule über die deutsche Verwaltungsstruktur des Staates. Als ich dann nach Deutschland kam, war es für mich trotzdem gewöhnungsbedürftig, dass jedes Bundesland andere Regeln hat. Polen ist ein relativ homogenes Land mit wenigen Dialekten und kaum regionalen Unterschieden. Deutschland hingegen ist ein stark regional-orientiertes Land, in dem das jeweilige Bundesland zur engsten Heimat wird. Wenn man es dies nicht weiß, wundert man sich erstmal, warum der Kollege aus der Hamburger Filiale frei hat aber wir in München arbeiten müssen.

4Ferien

Mit Ferien meine ich nicht nur unterschiedliche Ferien deutschlandweit (bei so einem großen Land mit 80 Millionen Einwohnen kann man es irgendwie verstehen, dass nicht alle gleichzeitig Urlaub machen können), sondern auch die unterschiedlichen Urlaubszeiten im Heimatland. Seitdem wir Kinder haben, die in der Betreuung von den deutschen Ferienzeiten abhängig sind, müssen wir immer schauen, wann wir tatsächlich Urlaub nehmen können. In Bayern haben die Kinder im Kindergarten z.B. die ersten zwei Septemberwochen frei – in Polen hingegen geht am 1. September schon wieder die Schule an. D.h., wenn ich möchte, dass meine Jungs mit ihren Cousinen und Cousins in Polen spielen können, müssen wir in Juli oder August den Kindergarten schwänzen (polnische Schüler haben den ganzen Juli und August Sommerferien).

5Feiertage

Auch Feiertage werden logischerweise anders gefeiert. Ich meine hier nicht nur Nationalfeiertage, sondern auch kirchliche Feiertage. Ein Beispiel: in Deutschland ist Pfingsten sehr wichtig. In Polen ist es nicht mal ein Feiertag. Bis vor kurzem war auch der Dreikönigstag in Polen ein normaler Werktag.

Aber auch andere Feiertage, wie Namenstag oder Muttertag werden sehr unterschiedlich gefeiert! Als Mutter feiere ich z. B. zweimal im Jahr, weil die Polen immer am 26. Mai den Muttertag haben. Also wenn in Deutschland alle Mütter am zweiten Sonntag im Mai gefeiert und geehrt werden, muss ich mir noch merken, meine Mama am 26.05. anzurufen oder ihr etwas schicken.

6Internationale Sport-Ereignisse

Bald ist wieder EM und ich frage mich jedes Mal: welcher Mannschaft werde ich die Daumen drücken? Klar, wenn Deutschland oder Polen gegen andere Mannschaften spielen, sind die deutschen und polnischen Fußballer wichtiger. Was aber, wenn Deutschland gegen Polen spielt? Und das passiert sehr oft, weil wir fast immer in der selben Gruppe sind. Da muss man einfach damit rechnen, dass an dem Tag Dein Partner und Du unterschiedliche Trikots anhaben und kurz nach dem Spiel eventuell eine schlechte Stimmung herrscht! Schließlich kann nur eine Mannschaft Meister werden 😉

7Emotionen

Gefühle werden ortsunabhängig gespürt und erlebt. Was Menschen aber unterscheidet, ist die Ausdruckskraft der Gefühle. Wir ärgern uns anders, haben vielleicht einen anderen Sinn für Humor (in den deutsch-polnischen Beziehungen nennt man es „Ah ja, das war schon wieder ein <polish joke>“), verstehen gegenseitige „Insiders“ nicht und haben unterschiedliche Körperwahrnehmung. All das hat einen enormen Einfluss auf das alltägliche Leben in einer binationalen Beziehung.

Warum tun sich die Menschen das an? – könnte man fragen. Denn diese Liste ist nur ein kleiner Teil der bedeutenden Unterschiede, die das Leben einer binationalen Partnerschaft beeinflussen und ausmachen.

Weil die Liebe grenzübergreifend ist – nicht nur im politischen, sondern auch im mentalen Sinne!

Ich weiß, dass es unter meinen Lesern viele internationale Paare gibt. Habt Ihr auch ähnliche Bemerkungen? Wie würdet Ihr diese Liste ergänzen? Ich bin gespannt!

Die beigefügten Fotos waren ein Teil der Fotoausstellung “Ein paar Paare – Parę par”, die ich 2006 in Hamburg organisierte. Die zwei Bilder machte uns meine liebe Freundin Dominika Dzikowska von Studio Miłość 🙂

4 Comments

  1. ISAR_bella 21 May 2016 at 23:00 - Reply

    Hallo Dominika,

    zum Thema Zeitmanagement / Pünktlichkeit hatte ich folgende Erfahrung:
    In Spanien hatte ich eine Verabredung mit einem Spanier.

    In Spanien ist es durchaus üblich zu einem Termin 15-20 Minuten zu spät zu kommen. Daher dachte ich mir nichts, als ich bewusst eine viertel Stunde zu spät ins Café kam – denn “so macht man das ja in Spanien”.

    Der Spanier wiederum dachte sich jedoch vorher, dass alle Deutsche sehr pünktlich seien und kam tatsächlich 10 Minuten VOR dem vereinbarten Termin. Wie Du das oben beschrieben hast.

    Fazit: wir mussten beide schmunzeln, wollten wir doch alles landestypisch richtig machen und erlagen beide dem Zeit-Klischee aus dem jeweiligen Land. Beim nächsten Date haben wir dann vorher ausgemacht, welches Land für das Zeitgefühl wir dann nehmen.

  2. Sabine Schneider 22 May 2016 at 21:36 - Reply

    Ich bin Österreicherin und mein Mann Deutscher. Bei mir kommt noch der italienische Einschlag mit rein. Manchmal ist das schon ganz witzig. Zwar die gleiche Sprache, fast 😂, aber gaaanz andere Mentalität.
    Es macht echt Spaß liebe Dominika

    • Das ist aber eine besondere “Mischung” – nicht die Sprache unterscheidet Euch, sondern der Kulturkontext. Interessant! Viele Grüße 🙂

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