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Interkulturelle Kompetenzen: Social Media in Deutschland

Im Mai durfte ich in Frankfurt zwei Social Media Schulungen für Frauen aus den verschiedensten Ecken der Welt durchführen. Die Teilnehmerinnen hatten vor, entweder eine Firma zu gründen oder im Angestelltenverhältnis zu starten und benötigten einen ausführlichen Einblick in die sozialen Netzwerke in Deutschland. Wir haben über verschiedene Plattformen, Chancen und Risiken beim Social Media Marketing und über Selbstvermarktung gesprochen. Ich habe noch zusätzlich 7 kulturelle Aspekte vorgestellt, die typisch für Deutschland sind und eine wichtige Rolle bei den interkulturellen Kompetenzen spielen. Nein, das sind keine deutschen Kuriositäten – abgesehen vielleicht vom Punkt 7 😉 – aber ich finde, es ist gut zu wissen diese Punkte zu kennen, wenn man in Deutschland ins Berufsleben starten möchte. Und natürlich bin ich gespannt, was meine deutschen Leser dazu meinen – Ihr könnt gerne diesen Beitrag kommentieren, denn ich freue mich, Eure Meinung dazu zu lesen!

7 interkulturelle Kompetenzen, die man in Deutschland im Social Media Bereich beherrschen soll

1. Privates & Öffentliches

Die Privatsphäre wird in Deutschland generell sehr geschützt und in Businesskontakten eher selten angesprochen, vor allem zu Beginn der Bekanntschaft. Selten weiß ich von meinen beruflichen Ansprechpartnern, ob er/sie Familie hat oder woher er/sie kommt (nicht immer bin ich der Lage, dies anhand des Akzents zu erkennen ;)). Meistens bespricht man neutrale Themen wie Wetter, Sport, Reisen oder die Lokation, in der man sich trifft. Mit der Zeit und nach weiterem Austausch kann sich das natürlich ändern. Der Anfang ist aber oft  relativ “trocken”. Das gilt besonders für die Kommunikation auf Business-Netzwerken, wie XING oder LinkedIn, auf denen private Themen so gut wie nie angesprochen werden.

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2. Formelle und direkte Kommunikation

Wenn wir über Business-Netzwerke sprechen, sollte man unbedingt beachten, dass man mit Fremden oder (noch) Unbekannten ausschließlich in der “Sie”-Form kommuniziert. Das ist bei Facebook oder Instagram nicht mehr der Fall, denn hier ist die Kommunikation inzwischen eher informell und sehr persönlich. Auf XING und LinkedIn bleiben wir hauptsächlich im offiziellen Berufsmodus. Verstehen Sie, was ich meine? 😉

3. Detail- und Faktenorientierung

Ich behaupte, dass die Deutschen sehr detail- und faktenorientiert sind. Das bedeutet für den Social Media Bereich, dass die rechtlichen Aspekte immer stimmen müssen! Tendenziell wird die “Impressum”-Seite relativ oft angeklickt, weil die deutschen User nicht nur wissen möchten, wer hinter der Seite steht, sondern auch, wo sich der Firmensitz befindet und wer für die Seite verantwortlich ist. Auch die “Allgemeinen Geschäftsbedingungen” sind ein Must Have in Deutschland und dürfen bei keinem Shop oder Dienstleister fehlen. Und dies nicht nur aus Gründen der Usability, (weil nach solchen Informationen tatsächlich oft gesucht wird), oder wegen der Seitenstruktur, sondern vor allem aus rechtlichen Gründen. Die Deutschen sind Experten, wenn es um Thema Struktur geht! Ich sage immer, wenn man auf Deutsch bereits beim Satzbau weiß, was man am Ende sagt (das Verb kommt sehr oft am Ende des Satzes), muss sich solche Planung auch in Mentalität widerspiegeln. Das Gute daran ist, dass vieles vorhersehbar ist und wir wissen, was auf uns zukommt. Der Nachteil ist, dass es manchmal an Spontanität fehlt und viele Nationalitäten sich mit der deutschen Pünktlichkeit und Planung schwer tun. Auch “Strategie” ist ein wichtiges Wort, das sowohl bei sozialen Netzwerken, als auch im Berufsleben nicht fehlen darf.

In Business-Beziehungen ist es extrem wichtig, pünktlich zu Terminen zu erscheinen, denn Verspätung kann als mangelnder Respekt empfunden werden. Außerdem erfüllt Ihr damit die Erwartungen, die deutsche Geschäftspartner Euch gegenüber haben, nämlich Seriosität und Zuverlässigkeit.

4. Networking (Vereine, Konferenzen, Workshops, professionelle Networking Events, Training Events)

Ich glaube, Deutschland ist vereinstechnisch die stärkste Nation Europas! Ich kenne kein anderes Land, das Menschen in so vielen Vereinen zusammen bringt. Für Business Zwecke gibt es wahnsinnig viele Networking Gruppen und Events – wenn Ihr also in Deutschland beruflich starten möchtet, ist es sehr empfehlenswert, sich einem Verein oder Netzwerk anzuschließend. Der Austausch hier ist sehr persönlich und es entstehen gute Kontakte, die einem gerade am Anfang viel Unterstützung bieten können. Ich bin selbst immer wieder bei der Gruppe Mompreneurs Rhein Main aktiv, habe einen Vortrag beim Rotary Club Frankfurt Airport gehalten, mich ein paar Mal mit den Wirtschaftsjunioren der IHK getroffen und bin immer noch am Suchen, welche Gruppe oder welcher Verein am besten zu mir passt. Auch online, also über Facebook, Meet-Up oder XING, gibt es viele nützliche Gruppen, denen Ihr Euch anschließen könnt.

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5. Kontaktinformationen in der Signatur

Eine richtige Business-Signatur ist in Deutschland im Business-Bereich ein Must Have. Egal ob Ihr auf der Jobsuche seid, als Freelancer arbeitet oder angestellt seid – alle Kontaktdaten in der Signatur müssen stimmen, richtig verlinkt und aktuell sein. Somit stellt Ihr Euch professional dar und macht einfach eine gute Figur! 🙂

6. Visitenkarte

Nicht nur wegen des Themas Datenschutz hat eine Visitenkarte in Deutschland einen besonderen Status. Klar, in erster Linie geht es um persönliche Daten, die nicht unbedingt öffentlich bekannt sind. Es handelt sich aber auch um Vertrauen. Deswegen ist der richtige und respektvolle Umgang mit einer Visitenkarte obligatorisch. Wichtig ist dabei, der Visitenkarte sofort die gebührende Beachtung zu schenken, bevor man sie in die Tasche steckt, denn damit zeigen wir unser Interesse und Respekt.

Wenn man umgekehrt, seine eigene Webseite als eine Online-Visitenkarte behandelt, sollte sie alle wichtigen Informationen und Kontaktmöglichkeiten zum Inhaber liefern.

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7. Lokale Feiertage & Feste, sowie regionale Unterschiede

Viele Ausländern die nach Deutschland kommen, wissen nicht, wie unterschiedlich die jeweiligen Regionen sind! Ich weiß, wovon ich spreche, denn es war für mich eine große Überraschung, als ich erfuhr, dass jedes Bundesland unterschiedliche Feiertage und Feste, so wie ganz andere Schulferien haben kann. Das spielt bei Geschäftsbeziehungen eine große Rolle, weil solche Termine bei der Planung berücksichtigt werden müssen.

Auch die vielen verschiedenen Dialekte werden oft unterschätzt – selbst nach 10 Jahren meines Lebens in Deutschland habe ich immer wieder Schwierigkeiten, bestimme Dialekte zu verstehen. Besonders, wenn ich sie zum ersten Mal höre und noch dazu am Telefon. Zum Glück wird in meisten Fällen bei unterschiedlichen Social Media Kanälen Hochdeutsch als Kommunikationssprache verwendet!

Diese 7 interkulturelle Kompetenzen sind mir zum Thema Social Media in Deutschland aufgefallen. Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, wenn man in Deutschland erfolgreiche Geschäftsbeziehungen entwickeln und mit deutschen Partnern auf Augenhöhe kommunizieren möchte.

Ich freue mich riesig, Eure Meinung dazu zu hören! Habt Ihr vielleicht andere wichtige Faktoren, die bei Social Media Marketing in Deutschland eine wichtige Rolle spielen? Oder gibt es Eurer Meinung nach andere interkulturelle Kompetenzen, die im Business Bereich wichtig sind? Schreibt bitte in die Kommentare, wie Ihr das seht!

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Fotos: Karolina Kraußer | Familien & Portraits

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